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Der Einstieg in das taktische Tracking ist eine Herausforderung, der Du Dich selbst stellen musst. In diesem Beitrag bekommst Du von Boris Vos, dem Tracking-Ausbilder, eine einfache Übung, die Dir den Einstieg in das Thema erleichtern wird.

Das erwartet Dich in diesem Blogbeitrag:

Einführung

Pace-to-pace taktische Verfolgungsübung | Zeitvorgabe für die Übung: ca. 60 min.

Von Boris Vos

Du möchtest also das richtige Verfolgen erlernen. Großartig!

Wenn Du die Verfolgungsübung zum ersten Mal machst, ist es wichtig, einen entscheidenden Punkt zu verstehen: Die erste Aufgabe, die Du ausführst, hat nichts mit der Jagd und dem Fangen eines Verdächtigen zu tun.

Zuerst kriechen wir, danach gehen wir und am Ende rennen wir. In dieser Übung geht es darum, Dein Gehirn zu sensibilisieren, die kleinsten Veränderungen im Gelände zu erkennen, die darauf hinweisen, dass eine Person an dieser Stelle war.

First tracking exercise.

Die erste Übung, die wir machen werden, ist eine Pace-to-pace Verfolgungsübung. Dabei lernst Du, nach sogenannten Spuren zu suchen und diese Schritt für Schritt zu verfolgen. 

In dieser Übung erfährst Du, wie Du die Pace-to-pace Übung einrichtest, wie Du drei der sechs charakteristische Merkmale identifizierst, wie Du Dich im Verhältnis zu der Spur positionierst und wie das Deine Konzentration und Deine Geduld herausfordert. Bist Du bereit?

Vorbereitung

Was brauche ich?

Für diese Übung benötigst Du keine spezielle Ausrüstung. Du brauchst lediglich eine der Umgebung und dem Klima entsprechende Kleidung, bequemes Schuhwerk, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und viel Geduld.

Wann soll ich diese Übung machen?

Die beste Tageszeit für diese Übung ist entweder früh am Morgen oder spät am Nachmittag, wenn die Sonne in einem niedrigen Winkel steht. Das schwache Licht hilft beim Erlernen der Spurensuche, da der niedrige Sonnenwinkel die feinen Details der Spuren hervorhebt.

Wo soll ich diese Übung machen?

Jetzt müssen wir nach einem Ort suchen, an dem wir unsere erste Übung machen können. Am besten suchst Du eine Location, in der Du ungestört üben kannst, um Dich auf die Übung selbst zu konzentrieren. 

Such Dir am besten ein Gebiet, in dem weder Mensch noch Tier anzutreffen ist. Die Mindestgröße des benötigten Bereichs beträgt etwa 10 x 30 Meter. In diesem Fall gilt jedoch, je größer desto besser.

Welches Gelände ist geeignet?

Du solltest ein Gebiet ohne niedrige Vegetation suchen (d.h. wenig Gras oder Gestrüpp). Das ideale Terrain für Deine erste Pace-to-Pace Übung hat einen festen Unterboden mit einer oberen Schicht aus losem Schmutz oder Sand. 

Aber vergewissere Dich, dass der Sand nicht zu locker ist, da die Spuren ansonsten zu offensichtlich sind. In diesem Fall lernst Du nichts bei der Übung. 

Ein perfekter Ort, um nach solchen Bereichen zu suchen, sind Baustellen oder verlassene Gegenden in Deiner Stadt. Ein Waldweg, der nicht überbeansprucht wird, kann diese Anforderungen ebenfalls erfüllen.

Best environment for Pace-to-Pace tracking exercise

So bereitest Du die Übung vor

OK, Du hast also einen Ort gefunden, an dem Du Deine erste Tracking-Übung durchführen kannst. 

  1. Achte darauf, woher die Sonne kommt und positionieren Dich sich so, dass Du in Richtung Sonne schaust. 
  2. Suche jetzt nach einer Stelle mit loser Erde, die sich vor Dir befindet. 
  3. Zeichne mit Deinem Finger oder einem Stock einen Kreis mit einem Durchmesser von ungefähr 50 Zentimetern.

Das ist Dein Ausgangspunkt.

  1. Stell nun Deinen rechten Fuß in diesen Kreis. 
  2. Schaue in Richtung Sonne und wähle einen Referenzpunkt. 
  3. Du gehst in einer geraden Linie auf diesen Referenzpunkt zu.

Gehe auf natürliche Weise auf diesen Punkt zu und zähle dabei 20 Schritte. Der Schwerpunkt liegt hier auf einem natürlichen Gang. Denke also nicht zu viel darüber nach. Gehe einfach zum Referenzpunkt, nach 20 Schritten hältst Du an und drehst Dich um. Zeichne einen weiteren Kreis um den letzten Schritt, den Du gerade gemacht hast. 

Das ist Dein Endpunkt.

How to set up Pace-to-Pace exercise.

Die erste Spur

Sehr gut! Du hast Dein erstes Pace-to-pace abgeschlossen. Gehe jetzt zurück zu Deinem Startpunkt, aber achte darauf, dass Du dabei nicht die Spuren verschwischst, die Du gerade hinterlassen hast. Wir wollen schließlich nicht, dass die frischen Spuren gleich wieder zerstört werden. Sobald Du zum Startpunkt zurückgekehrt bist, stell Dich hinter dem Kreis.

Entspann Dich jetzt und atme tief durch. Konzentration. Bereit?

Knie Dich hinter dem Kreis hin und schau hinein, ob Du Deinen ersten Schuhabdruck darin erkennen kannst.

Der richtige Name dafür ist "Schuheindruckspur“, aber im Moment sprechen wir einfach von einen Schuhabdruck. Gib Deinen Augen etwas Zeit, um das Innere des Kreises zu erkunden. Kannst du das Muster Deiner Schuhsohle erkennen?

Wenn Du das Muster der Schuhsohle siehst, sehen Deine Augen und Dein Gehirn tatsächlich gerade Linien und geometrische Formen, die in der Umgebung nicht natürlich vorhanden sind. Gib Deinem Gehirn etwas Zeit, diese geometrischen Formen und geraden Linien zu erkennen und zu sehen, ob Du mehr innerhalb des Kreises sehen kannst.

Kannst Du den Umriss der Sohle, die Kante der Ferse und die Spitze Deines Schuhs erkennen? Kannst Du die Muster der Naht in Deiner Schuhsohle sehen?

Seeing the patterns in a shore print.

Diese geraden Linien und geometrischen Formen, aus denen sich das Muster Deiner Schuhsohle zusammensetzt, werden bei der Verfolgung als „Gleichmäßigkeit“ bezeichnet. 

Gleichmäßigkeit ist das erste Merkmal einer Spur. Sie wird von Deinem Gehirn erkannt, weil das Formen sind, die in der Natur normalerweise nicht vorkommen. Sobald Du an Deinem Schuhabdruck alle möglichen Gleichmäßigkeiten festgestellt hast, kannst Du aufstehen und nun prüfst Du, ob sie für Dich noch immer sichtbar sind. 

Das ist ein wichtiger Schritt. Beim Tracken wirst Du eher aufrecht stehen oder gehen, also musst Du Dein Gehirn darauf trainieren, die Spuren aus dieser Perspektive zu erkennen. Wenn Du Dir nicht sicher bist, ist es völlig in Ordnung, sich ein weiteres mal hinzuknien, die Gleichmäßigkeit zu finden und dann wieder aufzustehen.

Bist Du zufrieden mit der gefundenen Gleichmäßigkeit? Schauen wir mal, ob wir noch mehr in diesem Abdruck sehen können. 

Die Erde wird dort zusammengedrückt, wo die flachen Teile Deiner Schuhsohle ihre Oberfläche berühren. Überprüfe, ob Du diese Bereiche identifizieren kannst. Natürlicher Sand oder Schmutz hat eine sehr unregelmäßige Oberfläche und Textur. 

Regularity shoe print.

Du erhältst eine schöne flache und ebene Oberfläche, wenn sie von Deinem Schuh zusammengedrückt wurde. Diese Stelle kann die Sonne ein wenig anders reflektieren und leichter sichtbar machen. 

Du kannst auch sehen, dass einige kleine Kieselsteine oder kleine Stöcke in die Erde gestampft wurden. Beim Tracking nennen wir das eine „Abflachung“ und es ist das zweite Merkmal einer Spur. Eine Abflachung ist das Ergebnis eines Drucks, der auf die Oberfläche ausgeübt wird. 

Wir können sie identifizieren, indem wir diese Stelle mit natürlicher Erde um unseren Schuhabdruck vergleichen. Schau, wie viele Stellen mit einer Abflachung Du identifizieren kannst. 

Wiederhole nun die vorherige Übung, steh auf und vergewissere Dich, dass Du die Stellen mit einer Abflachung noch immer sehen kannst. Wenn Du das kannst, wunderbar! Wenn nicht, kannst Du Dich jederzeit wieder hinknien, die Stellen neu erkennen und dann aufstehen.

Shoe print regularity flattening and colour change.

Erinnerst Du Dich, was ich über Geduld gesagt habe? Hierbei brauchst Du sie! Das wird schon, Du machst Fortschritte!

Die letzte Spur, nach der wir heute suchen werden, ist der Farbwechsel. Natürlicher Boden ist den Witterungseinflüssen ausgesetzt und nimmt häufig auf der Oberfläche eine hellere Farbe an als darunter.

Sobald diese oberste Schicht gestört ist, wird der Boden darunter freigelegt und seine Farbe erscheint dunkler oder getönter. Schaue in den Kreis. Kannst Du Stellen mit einer Farbveränderung erkennen? Kannst Du feststellen, welcher Teil Deines Schuhs sie verursacht hat? 

Colour change in a shoe print.

Versuche, alle Stellen zu finden, in denen sich die Farbe ändert, steh auf und prüfe, ob Du sie noch sehen Kannst. Kannst Du? Super! Markiere nun den Abdruck mit einem Halbkreis hinter der Ferse und einer Linie (damit wird der rechte Schuhabdruck gekennzeichnet).

Marking the right shoe print.

Nun bist Du bereit für den nächsten Schritt.

Die nächste Spur

Jetzt können wir den nächsten Schuhabdruck suchen. Wenn Du zum ersten Mal mit dem Tracking beginnst, kann die natürliche Textur des Bodens dazu führen, dass Du glaubst, Spuren zu sehen, die keine sind. 

Deshalb ist es so wichtig, sich bei der Suche nach der nächsten Spur auf den richtigen Bereich zu konzentrieren. Die nächste Spur ist der linke Schuhabdruck. 

Wenn Du beim Hinterlassen der Fußspur auf eine natürliche Weise gegangen bist, befindet sich der nächste Abdruck etwa 70 bis 80 Zentimeter von der Ferse des ersten Abdrucks entfernt. Er wird sich mit Sicherheit links versetzt vor der ersten Spur befinden.

Und genau da solltest Du nach Zeichen suchen. Scanne den Bereich von der Stelle hinter der letzten Spur aus und schaue, ob Du eine Gleichmäßigkeit, Abflachung und Farbänderung erkennen kannst. 

Wenn Du kannst, großartig! Wenn nicht, ist das auch kein Problem. Geh vorwärts, stoppe an der Stelle an, an der Du den nächsten Abdruck vermutest und wiederhole den Vorgang, den Du beim ersten Abdruck ausgeführt hast. Denke daran, Dein Gehirn lernt immer noch, die Spuren zu erkennen.

Wichtiger Hinweis: Achte besonders darauf, nicht in Deine eigenen Schuhabdrücke zu treten. Tracker trampeln nie auf den Spuren herum.

Das Tracking geht weiter

Wir wiederholen den Vorgang für jeden einzelnen Abdruck, bis wir den Endpunkt erreichen. Vergewissere Dich, ob es sich beim nächsten Abdruck um einen linken oder rechten Fuß handelt. Das hilft Dir, an der richtigen Stelle zu suchen. Wenn Du unsicher bist, überprüfe Deine Markierung auf dem vorherigen Abdruck. 

Wenn Du Dir bei den ersten Zeichen Zeit genommen hast, wirst Du möglicherweise feststellen, dass die Erkennung weiterer Spuren immer leichter wird. Das sind gute Nachrichten; Dein Gehirn lernt, die Spuren zu erkennen. 

Tracking on after the first steps of Tactical tracking exercise.

Möglicherweise siehst Du bereits mehr als einen Abdruck vor Dir, aber verfalle nicht der Versuchung, einen wichtigen Abdruck zu überspringen und zum Einfacheren vorzuspringen. Die Abdrücke, nach denen Du suchen musst, sind diejenigen, aus denen Du am meisten lernst. 

Überspringe nicht diese wertvollen Chancen, Deine Tracking-Grundlagen aufzubauen!

Du hast es geschafft, sobald Du Deinen Endpunkt erreicht hast und jeden einzelnen Abdruck gefunden hast. Dein Gehirn lernt, die Spuren zu erkennen. Du wirst nie wieder auf die alte Art und Weise auf den Boden schauen. Hol Dir einen Drink, Du hast ihn Dir verdient!

Outro

Hoffentlich konntest Du mit diesem Beitrag einige Einblicke gewinnen, die Dir den Einstieg in das taktische Tracking erleichtern werden. Wenn Du rausgehst, mache doch ein paar Bilder, markiere uns auf Instagram (@rangerboris und @ufprogear) und erzähl uns, wie Deine erste Verfolgungsübung gelaufen ist.

Wenn Dir der Blogbeitrag gefallen hat und Du mehr von mir lesen möchtest, lass es das UF PRO Team wissen. Die Jungs wissen, wie man mich im Busch findet.

Boris Vos

Über den Autor:

Boris Vos

Ehemaliger Royal Netherlands Marine. Ausbilder: Scharfschützen, Dschungelkrieg und Combat Tracking.

Lebt mit seiner Frau Dominique und seinem Hund Murphy in Kenia. Betreibt die LEAD Ranger, eine Ausbildungsorganisation für Ranger. Hat eine Leidenschaft für verrückte Sachen.

Veröffentlicht: 19-03-2021
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