Wenn das Eis unter dir bricht, erlebst du den Eintritt ins Wasser bei Temperaturen unter Null Grad als unkontrolliert und verwirrend. Die Atmung wird unregelmäßig. Die Motorik funktioniert nicht mehr richtig. Panik überfällt dich. Ob du im eisigen Wasser überlebst, hängt davon ab, wie diszipliniert du unter Schock bleibst und ob du eine eingeübte Abfolge ausführen kannst, während dein Körper unter extremer Belastung steht.
In this blog post:
- SCHRITT 1: Vorbereitung vor der Eisüberquerung (Risikomanagement, nicht absichtlich)
- SCHRITT 2: Kontrolle der Atmung und Überleben eines Kälteschocks
- SCHRITT 3: Sicherung der Ausrüstung (Schutz vor Unterkühlung)
- SCHRITT 4: Selbstrettung aus dem Eis mit der Seal-Crawl-Methode
- SCHRITT 5: Verhindern einer Unterkühlung nach der Eisrettung
- Eisrettungsprotokoll im Einsatz mit einer anderen Person
- Training: Kontrollierte Umgebung für eine Eisrettungsübung
- Fazit
Dieser Artikel beschreibt die wesentlichen Handlungsschritte, um einen Eisbruch zu überleben: Risikomanagement vor dem Überqueren, Kontrolle des Kälteschocks, Selbstrettung aus dem Eis, Verhindern einer Unterkühlung und teambasierte Rettungsverfahren. Außerdem erfährst du, wie du diese Fähigkeiten in einer kontrollierten Umgebung sicher trainieren kannst, wie in „Pro’s Guide – Überleben im Winter, Folge 4: Eisrettung und Überleben im kalten Wasser“ gezeigt.
SCHRITT 1: Vorbereitung vor der Eisüberquerung (Risikomanagement, nicht absichtlich)
Das Überleben beginnt schon, bevor du überhaupt das das Eis betrittst. Vorbereitung bedeutet nicht, dass du es darauf anlegen solltest. Vorbereitung bedeutet, anzuerkennen, dass es jederzeit plötzlich zu einem Eisbruch kommen kann und du dir in diesem Fall keine Fehler erlauben darfst.
Einfache Anpassungen vor einer Eisüberquerung können die Überlebenszeit im Falle eines Eisbruchs drastisch erhöhen.
Ankerpunkten reduzieren
Ziehe deine Handgelenke aus Schlaufen, zum Beispiel von Skistöcken, heraus. Wenn du ins Eis einbrichst, hindern dich Schlaufen daran, dich frei zu bewegen und Werkzeuge zu nutzen.
Rucksacks als Gegengewicht verwenden
Trage deinen Rucksack nur mit einem Schultergurt. Wirf den Rucksack im Falle eines Eisbruchs sofort auf die Eisoberfläche. Er sorgt für Flotation und enthält trockene Kleidungsschichten, die dir später Schutz vor einer Unterkühlung bieten.
Werkzeuge bereithalten
Auf Eispickel, Stöcke oder ähnliche Werkzeuge solltest du jederzeit zugreifen können, sobald du dich auf unsicheres Eis wagst.
Eiskrallen
Wenn vorhanden, trage Eiskrallen um den Hals oder in einer Außentasche, um sie sofort griffbereit zu haben. Eiskrallen (auch Eispickel oder Eisahlen genannt) sind kleine, handgeführte Werkzeuge zur Selbstrettung, die speziell dafür entwickelt wurden, sich nach einem Eisbruch aus dem Wasser zu ziehen. Ihre scharfen Spikes bieten viel besseren Halt auf nassem, brüchigem Eis als Skistöcke oder bloße Hände und sind daher das effektivste Werkzeug zur Selbstrettung aus dem Eis.

SCHRITT 2: Kontrolle der Atmung und Überleben eines Kälteschocks
Wenn du durchs Eis brichst, reagiert dein Körper sofort mit einem Kälteschock. Die Atmung wird schnell und unkontrolliert. In diesem Fall ist die oberste Priorität die Kontolle deiner Atmung.
Du hast dir das Wasser nicht ausgesucht. Dein Ziel in der ersten Minute ist es zu verhindern, dass durch die Panik aus einem überlebbaren Unfall ein tödlicher wird.
Die 1–10–1-Regel
- 1 Minute, um die Atmung wieder zu kontrollieren
- 10 Minuten nennenswerte Bewegungen, bevor die Muskelfunktion nachlässt
- 1 Stunde, bevor es zur Bewusstlosigkeit durch Unterkühlung kommt (schwankt)
Das 60-Sekunden-Ziel
Zwinge dich zur sofortigen Atemkontrolle. Panik führt zum Einatmen von Wasser.
Kontrollierter Atemzyklus (4–4–4)
- 4 Sekunden einatmen
- 4 Sekunden Luft anhalten
- 4 Sekunden langsam ausatmen
Mentale Disziplin
Konzentriere dich nur auf das Zählen der Atemzüge. Unterbinde negative Selbstgespräche oder Zukunftsdenken.
Wenn du es schaffst, deine Atmung innerhalb der ersten Minute zu stabilisieren, hast du die kritischste Überlebensphase im Eiswasser überstanden.
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SCHRITT 3: Sicherung der Ausrüstung (Schutz vor Unterkühlung)
Sobald der Kälteschock nachlässt, ist die Priorität die Sicherung der Ausrüstung, die dein Überleben ermöglicht, nachdem du dich befreit hast.
Rucksack sichern
Wenn du deinen Rucksack auf das Eis geworfen hast, lasse ihn nicht los. Trockene Kleidungsschichten sind dein einziger zuverlässiger Schutz gegen Unterkühlung.
Elektronik und Werkzeuge
Wenn möglich, halte wasserempfindliche Ausrüstungsgegenstände vom Wasser fern, aber verschwenden keine Energie darauf, gegen das Gewicht oder den Widerstand anzukämpfen.
Der Gewichtsfaktor
Durchtränkte Kleidung und Stiefel sind oft so schwer, dass sie zum Risiko werden. Versuche nicht, Kleidungsstücke auszuziehen, bis du dich wieder sicher auf dem Eis befindest.
Deine Priorität ist nicht, deine Ausrüstung zu retten, sondern sicherzustellen, dass du weiterhin eine trockene Isolationsschicht hast.

SCHRITT 4: Selbstrettung aus dem Eis mit der Seal-Crawl-Methode
Versuche nicht, senkrecht herauszuklettern. Die Eiskante wird immer weiter brechen.
Befreie dich dort, wo du eingebrochen bist
Drehe dich zurück zum Einfallpunkt. Dieses Eis hat dein Gewicht zuvor noch getragen.
Horizontale Befreiung
Presse Eiswerkzeuge, Spikes oder deine Unterarme horizontal in die Eiskante. Erzeuge mit tretenden Bewegungen Schwung nach vorn.
Die Seal-Crawl-Methode
Sobald dein Oberkörper auf dem Eis ist, halte dich flach. Verteile dein Gewicht und krieche einige Meter vom Loch weg, bevor du dich wieder auf die Beine stellst.
Bewege dich auf sicheren Grund
Stehe nur auf, wenn du das Ufer erreichst oder du dir sicher bist, wieder auf dickem Eis zu sein.
Eine erfolgreiche Selbstrettung aus dem Eis erfordert in erster Linie Gewichtsverteilung und horizontale Bewegung – keine Kraft.
SCHRITT 5: Verhindern einer Unterkühlung nach der Eisrettung
Mit der Befreiung ist die Notsituation noch nicht vorbei. Jetzt wird eine Unterkühlung zur größten Gefahr.
Wärmeleitungsverlust
Nasse Kleiderstreifen erwärmen sich schnell. Jede Sekunde erhöht den Verlust der Kerntemperatur.
Unterkühlungsstadien erkennen
Bei einer leichten Unterkühlung (ca. 35–32 °C) kommt es zu Schüttelfrost und eine Selbstrettung ist noch möglich. Hört der Schüttelfrost auf, schließt sich das Fenster rapide.
Sofortiger Kleidungswechsel in trockene Schichten (Geschwindigkeitsübung)
Streife nasse Schichten ab und ersetze sie so schnell wie möglich durch trockene Kleidung aus deinem Rucksack.
Windschutz
Errichte sofort einen Windschutz mithilfe einer Plane, einer Thermodecke oder einer natürlichen Abdeckung.
Kernwärme priorisieren
Isoliere zuerst Kopf, Nacken und Oberkörper.
Bewegung und Kalorien
Erzeuge Wärme durch Bewegung und nimm Nahrung mit einem hohen Fett- und Zuckergehalt zu dir, um das Zittern anzuregen.
Sobald du wieder auf festem Boden bist, hat der Kleidungswechsel die höchste Priorität.

Eisrettungsprotokoll im Einsatz mit einer anderen Person
Wenn du im Team unterwegs bist, ist die Sicherheit der rettenden Person nicht verhandelbar.
Niemals hineingehen
Die rettende Person begibt sich niemals ins Wasser.
Aus einer stabilen Position arbeiten
Verwende Stöcke, Seile, Riemen, Äste oder einen starren Gegenstand. Lege dich flach hin, um dein Gewicht zu verteilen.
Rettung mit Ankerpunkt
Wenn zwei Personen auf dem Eis vorhanden sind, sichert die zweite Person die primäre Rettungsperson und sorgt bei der Befreiung aus dem Eis für einen Ankerpunkt.
Um eine Rettung erfolgreich durchzuführen, muss stets absolute Stabilität gewährleistet sein.

Training: Kontrollierte Umgebung für eine Eisrettungsübung
Die oben beschriebenen Techniken werden in einer kontrollierten Umgebung trainiert und demonstriert. Hierbei geht es nicht um Kältebelastung zur Abhärtung. Es handelt sich vielmehr um eine Sicherheitsübung, mit der die richtigen Reaktionen für einen ungeplanten Eisbruch geprobt werden sollen.
Aufbau der Übung
- Einbruchstelle unter Aufsicht vorschneiden
- Sicherheitspersonal ist in Bereitschaft
- Rettungsleinen, Flotationshilfen und Extraktionswerkzeuge sind vorhanden
- Sofortiger Ausstieg nach Durchführung der Extraktionsbewegung
Trainingsziele
- Erste Kälteschockreaktion in sicherer Umgebung erfahren
- Atemkontrolle unter Stress üben
- Seal-Crawl-Methode üben
- Prioritäten nach der Befreiung ohne längeren Wasserkontakt verinnerlichen
Diese Übung wird in Pro’s Guide –Überleben im Winter, Folge 4: Eisrettung und Überleben im kalten Wasser demonstriert, wodurch alle Rettungsschritte ohne unnötiges Risiko gezeigt werden können.
Sicherheitsauftrag
Eisrettungs- und Kaltwasserübungen dürfen niemals alleine oder ohne professionelle Betreuung, Rettungsmöglichkeiten und ärztliche Aufsicht durchgeführt werden.
Fazit
Eis kann ohne jede Vorwarnung brechen. Der Kälteschock löst Panik aus. Vorbereitung ist der einzige Puffer, den du zwischen Schock und Überleben hast.
Das Überleben im kalten Wasser folgt einer strikten Reihenfolge:
- Kontrolle der Atmung
- Horizontale Befreiung
- Sofortmaßnahmen zum Verhindern einer Unterkühlung
Präge dir diese Schritte ein, trainiere deine Reaktion in sicherer Umgebung und konditioniere deine Psyche darauf, Panik zu erkennen. Wenn das Eis unter dir nachgibt, entscheidet Disziplin, nicht Instinkt, über den Ausgang.
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